So etablierst du eine moderne und offene Feedbackkultur im Unternehmen  

Das Thema Bewertung ist heute mehr denn je fester Bestandteil unseres Alltags. Wir werden aufgefordert, den letzten Arztbesuch zu bewerten oder den Service im Online-Shop. Gerne geben wir unserem Lieblingsitaliener eine lobende Beurteilung im Netz und üben harsche Kritik an unserem letzten Urlaubshotel. Wenn uns Feedback doch so leicht von der Hand geht, warum ist es scheinbar im Unternehmen so viel schwieriger? Laut Randstad Arbeitsbarometer 2019 geben nur 35 % der deutschen Unternehmen jährlich Feedback, bei 30 % gibt es gar keine Gespräche. Dabei ist eine gesunde Feedbackkultur die Basis eines erfolgreichen Unternehmens.  

Warum ist Feedbackkultur im Unternehmen so wichtig? 

Feedback richtig geben und auch empfangen ist auf keinen Fall einfach und bedarf deswegen besonderer Aufmerksamkeit. Häufig verhindern Angst und Unbehagen eine offene Kommunikation: sowohl bei Rezipient:innen, aus Furcht vor Kritik, als auch bei Kommunikator:innen, die Konflikte vermeiden wollen. Aber damit man als Unternehmen attraktiv für Fachkräfte und Talente bleibt, ist das Etablieren einer starken Feedbackkultur enorm wichtig. Gerade die Gen Z geht offener mit dem Thema Kritik um und fordert Feedback aktiv ein, deswegen sind vor allem junge Unternehmen Vorreiter einer modernen und effektiven Feedbackkultur, die sich dadurch auszeichnet: 

  • Fortschritt und Wachstum: Nur mit einer offenen Feedbackkultur kann sich ein Team weiterentwickeln. Wer regelmäßig Feedback bekommt, kann schneller die Richtung wechseln und erkennt Optimierungspotenziale. In einer vertrauensvollen Feedbackkultur werden Mitarbeiter:innen durchgängig dazu aufgefordert, die eigene Arbeit zu überdenken, was wiederum dazu ermutigt, sich zu verbessern. Das führt zu einem wachstumsorientierten Denken im Team und treibt letztendlich das Unternehmen voran. 
  • Motivation und Zufriedenheit: Die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter:innen hängt stark davon ab, wie ausgeprägt die Feedbackkultur im Unternehmen ist. Laut einer Studie von Officevibe weisen 43 % der Mitarbeiter ein hohes Engagement auf, wenn sie wöchentlich Feedback erhalten. Gibt es diese Gespräche seltener, sinkt die Quote auf nur noch 18 %. Nur ein motiviertes Team stellt sich selbstbewusst und eigeninitiativ neuen Aufgaben. Zufriedene und wertgeschätzte Mitarbeiter:innen bleiben außerdem dem Unternehmen verbunden: Firmen, die mit ihren Beschäftigten regelmäßig Mitarbeitergespräche führen, können eine um 14,9 % niedrigere Fluktuationsrate ausweisen als Firmen, bei denen das nicht der Fall ist.   
  • Kommunikation und Sozialkompetenz: Ein erfolgreiches Unternehmen ist von einer offenen Kommunikation und Transparenz zwischen Mitarbeitern:innen und Management geprägt. Mit einer modernen Feedbackkultur, die auf kurze Intervalle und mutige Offenheit setzt, werden der Teamzusammenhalt gestärkt und die zwischenmenschlichen Beziehungen gefestigt. Nicht nur Mitarbeiter:innen bekommen die für ein positives Arbeitsumfeld nötige Aufmerksamkeit, auch das Management profitiert von kontinuierlichen Feedbackgesprächen. Die Leader:innen sind immer auf dem aktuellen Stand und bilden eine Vertrauensbasis, die irgendwann stark genug ist, dass die Mitarbeiter:innen Bewertung als integralen Bestandteil ihres Arbeitsalltags sehen und sich sicher genug fühlen, auch Bottom-up ehrliches Feedback zu geben. 

Wie kann ich im Unternehmen eine moderne Feedbackkultur etablieren? 

Obwohl 91 % von 250 Befragten hauptsächlich aus dem Fach- und Führungskräftebereich in einer Haufe-Studie angaben, dass sie eine gute Feedbackkultur im Unternehmen für wichtig halten, empfinden nur 12 % diese als “sehr gut”. Damit die Einführung einer Feedbackkultur erfolgreich ist, sollte man folgende Dinge beachten: 

  • Modernes Feedback ist ein kontinuierlicher Prozess 

Feedback ist bereits in vielen Unternehmen vorhanden, es wird nur nicht effektiv umgesetzt. Ein jährliches Feedbackgespräch, für das über Monate Eindrücke gesammelt werden, die dann geballt auf die Mitarbeiter:innen einprasseln, ist wenig zielführend. Eine funktionierende Feedbackkultur zeichnet sich durch den Dauerdiskurs aus. Nur eine zeitnahe Rückmeldung zur Arbeitsweise führt dazu, dass der Angestellte seine Leistung kontinuierlich verbessern kann. Das können kurze Daily Updates sein oder ein wöchentlicher Jour fixe, Hauptsache, es passiert regelmäßig und wird im System des Unternehmens verankert. Regelmäßigkeit schafft Orientierung und baut Hürden ab. 

  • Die richtigen Feedback-Arten, -Kanäle und -Tools erleichtern den Prozess 

Das traditionelle Feedback erfolgt meistens Top-down in einem Mitarbeitergespräch. Hier besteht das Problem, dass die Einschätzung sehr subjektiv und daher wenig konstruktiv ist. 

Feedbackkultur

Statt dieses “90-Grad-Feedbacks” ist es häufig sinnvoller, ein “360-Grad-Feedback” einzusetzen. Hier wird die Performance des Angestellten nur zu einem kleinen Teil von Vorgesetzten eingeschätzt, es kommen ebenfalls Kundschaft, Teamführung und Kolleg:innen zu Wort. Zusammen mit einer Selbsteinschätzung entsteht am Ende eine objektive Rundumbeurteilung. 

Feedbackkultur

Feedback kann auf den unterschiedlichsten Kanälen transportiert werden: In Zwei-Augen-Gesprächen, Meetings, über Befragungen, Versammlungen oder auch in automatisierten Tools. Es gibt einige Anbieter, die App-Lösungen für eine gelungene Feedbackkultur im Unternehmen anbieten. Die Vorteile davon sind eine geringere Hürde dank vorgefertigter Formulare, Zeitersparnis und die Möglichkeit eines breitflächigen Einsatzes. Allerdings sollte digitalisiertes Feedback immer von einem analogen begleitet werden, denn nur so wird es konstruktiv und baut Vertrauen auf.  

  • Die Führungskraft ist Dreh- und Angelpunkt einer wirksamen Feedbackkultur 

Der Impuls zur Modernisierung der Feedbackkultur muss von den Leader:innen kommen. Aber damit nicht genug: Nur wenn sich das Management durchgängig und engagiert für das Gelingen des Projekts einsetzt, hat es Erfolgschancen. Es ist Aufgabe der Führungskraft, für ein sicheres Umfeld zu sorgen, in dem sich Mitarbeiter:innen wohl und gut aufgehoben fühlen. Die Angestellten müssen wissen, dass Feedback zur Verbesserung ihrer Arbeitssituation führen soll und keine Schikane ist oder negative Konsequenzen hat. Die Chefetage muss die Feedbackkultur immer wieder erklären, ihre Bedeutung hervorheben, selbst Feedback einfordern und darauf achten, dass aus Höflichkeit nicht nur Lob verteilt, sondern auch wirklich konstruktiv Kritik geübt wird, auf die Taten folgen. 

Fazit

Wenn man sich als Unternehmen dafür entscheidet, eine moderne und effektive Feedbackkultur umzusetzen, ist das kein einfacher Weg und wird Aufwand und Zeit erfordern. Wer es aber schafft, der hat engagiertere Mitarbeiter:innen, eine wachstumsorientierte Firma und arbeitet in einem Umfeld, das auf Vertrauen basiert. Laut einer Hays-Studie von 2014 ist das Etablieren einer Feedbackkultur die wichtigste Anforderung an eine Führungskraft (71 %), noch vor der Motivation der Belegschaft (69 %) und dem Aufzeigen von Entwicklungsmöglichkeiten (66 %). Gerade in Corona-Zeiten mit der Herausforderung des Remote Leadership hilft eine gut organisierte Feedbackkultur, Entfremdung zu vermeiden. Aber nur, wenn sich keine der Parteien vom Feedback angegriffen fühlt. Damit ein gut gemeintes Bewertungs-Gespräch nicht kontraproduktiv wird, am Ende ein paar Tipps: 

  • Beginne mit etwas Positivem. In kritischen Gesprächen hat sich die Sandwich-Methode bewährt: Lob – Kritik – Lob. 
  • Ein Feedback sollte nicht wie ein Vorwurf formuliert sein, sprich deswegen aus der Ich-Perspektive: Statt “Du bist nie vorbereitet” besser “Ich habe den Eindruck, dass du dich nicht richtig vorbereitet hast”. 
  • Überlege vorher genau, was die grundlegende Botschaft des Feedbacks ist und welche Tasks daraus folgen sollen. Wenn du selbst nicht genau weißt, warum das Gespräch stattfindet, weiß es dein Gegenüber erst recht nicht. 
  • Es ist keine Rede, sondern ein Gespräch! Frage dein Gegenüber nach seiner Einschätzung der Situation und nimm seine Perspektive ein. Nur so entsteht ein ausgewogener und offener Austausch.  

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