Growth Hacking: Experimentierfreude für mehr Unternehmenswachstum

Der Begriff „Growth Hacking“ beschreibt kostengünstige Geschäftsstrategien, die sich strikt auf das Wachstum eines Unternehmens ausrichten. In der Regel werden besonders Start-ups mit dieser Terminologie in Verbindung gebracht. Gerade zu Beginn bzw. bei ihrer Gründung müssen Firmen in kurzer Zeit und mit einem geringen Budget möglichst viele Leads generieren und Kund:innen gewinnen. Growth Hacking beschränkt sich allerdings nicht nur auf aufstrebende junge Unternehmen. 

Was ist Growth Hacking? 

Growth Hacking ist die Suche nach neuen und schnellen Lösungen, die Unternehmensprozesse optimieren, Leads aktivieren und sie zum Kauf bewegen. Sie unterstützen Firmen dabei, Kundschaft zu binden und bestenfalls zu einer Weiterempfehlung zu bewegen. Growth Hacker:innen setzen spezifische Unternehmensziele oder bekommen diese vorgegeben. Basierend auf ihrem Fachwissen und ihrer Branche stellen sie Hypothesen auf, um diese Ziele zu erreichen. Sie identifizieren alle relevanten KPIs und führen Experimente durch, um festzustellen, ob sich die Hypothese als erfolgreich erweist. Anschließend analysieren und dokumentieren sie die Ergebnisse dieser Tests mit entsprechenden Customer-Relationship-Tools. 

Ein wichtiger Unterschied zu anderen Geschäftsstrategien besteht darin, dass Growth Hacker:innen Ideen schnell entwickeln und einsetzen, aber genauso schnell wieder verwerfen, sollten sie nicht funktionieren. Das macht die Methode ideal für Startups und Unternehmen, deren Strukturen mehr Flexibilität aufweisen. Große und bereits etablierte Firmen können die Herangehensweise aber ebenfalls einsetzen, sofern sie diesen speziellen Fachkräften die notwendige Freiheit für schnelle Entscheidungen zugestehen.   

Growth Hacker:innen kommen oft aus dem Marketingbereich. IT- und Psychologie-Kenntnisse sind aber ebenfalls von Vorteil. Es kann sogar ein ganzes Team zum Einsatz kommen, das sich mit SEO und SEA, Web-Technologien wie HTML, PHP und Python sowie mit diversen Web-Tools wie z.B. Facebook, Ads, Wordpress und Google Analytics auskennt. Sie besitzen Fachwissen über die jeweiligen Unternehmensprozesse, über Experimentiermethodik, Technologie und Entwicklung, Datenanalyse und Verbraucherverhalten. Vor allem müssen sie aber wissen, was ihre Zielgruppe zum Kauf bewegt. Mithilfe einer Buyer Persona machen sie sich ein Bild ihres idealen Kundenkreises, sowie dessen Motivationen und Pain Points. Diese Informationen nutzen sie, um mögliche Wachstumsfaktoren zu finden, methodisch Experimente durchzuführen und ihre Hypothesen zu beweisen.  

Strategien für schnelles Wachstum 

Nicht nur Umsatz, sondern auch andere Kriterien spielen beim Growth Hacking eine wichtige Rolle. Eine höhere Anzahl von Follower:innen auf einer oder mehreren Social-Media-Kanälen, neue E-Mail-Adressen für Leads, ein Vielzahl von Kommentaren unter deinen Blog-Posts und generell mehr Engagement auf unterschiedlichen Ebenen sind ebenfalls Zeichen von Wachstum. Wir haben einige Maßnahmen für mehr Reichweite zusammengefasst:  

Content Marketing 

Eine effektive Strategie, um Besucherzahlen auf der eigenen Website zu erhöhen. Ein Unternehmensblog mit hochwertigen Beiträgen über dein Fachgebiet, die zudem einen großen Mehrwert haben, sorgen beispielsweise für mehr organischen Traffic. Signifikantes Wachstum ist allerdings nur mit einer durchdachten Content-Marketing-Strategie realisierbar. Wende On-Page-SEO-Maßnahmen an, veröffentliche Gastbeiträge auf anderen themenverwandten Blogs, biete Podcasts, Webinare, eBooks und Whitepapers an.  

E-Mail-Marketing 

Mit E-Mail-Marketing trittst du direkt mit deiner Zielgruppe in Kontakt und ermutigst sie, ein Abonnement abzuschließen, dein Produkt zu kaufen oder deine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Für diese Vorgehensweise lassen sich unterschiedliche Tools nutzen, um mehrere tausend E-Mails zu versenden. Damit du deine Adressliste aufbauen kannst, solltest du auf deiner Website einen sogenannten Lead-Magneten anbieten, z.B. in der Form eines kostenlosen eBooks oder eines Webinars. Besucher:innen, die dieses Angebot nutzen möchten, müssen lediglich ihre Kontaktdaten eintragen.  

Weiterempfehlungen  

Mache deine Kundschaft zu Fürsprecher:innen, indem du ihnen eine Belohnung anbietest. Du förderst die Mund-zu-Mund-Propaganda, reduzierst die Kosten und den Aufwand für die Akquise und vergrößerst deine Nutzerbasis. Dieser Hack lässt sich auch mit Kundschaftsbindungsmaßnahmen und Loyalitätsmarketing bzw. Belohnungen verbinden. Kund:innen tendieren dazu, ihre Lieblingsprodukte und -dienstleistungen weiterzuempfehlen. In sozialen Netzwerken lässt sich dieser Effekt durch das Social Sharing erzielen, indem du deine Gefolgschaft mit einem Gutschein oder Rabatten belohnst, sobald sie deine Inhalte teilen.  

FOMO 

“Fear of missing out” oder die Angst, etwas zu verpassen. Ein effektives psychologisches Instrument, um Dringlichkeit zu generieren. Das geschieht z.B., wenn du ein Angebot nur für eine bestimmte Zeit und nur einem exklusiven Kreis zur Verfügung stellst. Ein begrenzter Zugang wirkt sofort attraktiver. Ein Countdown-Timer ist eine simple Darstellungsmöglichkeit dieser Dringlichkeit.  

Gratisversion  

Ein kostenloses Angebot ist immer reizvoll. Ein Freemium-Produkt oder eine Anwendung mit genügend Funktionen, die neugierig auf mehr bzw. auf ein Upgrade machen oder die Aufmerksamkeit von Rezensent:innen auf sich zieht.  

Wettbewerb   

Ein Wettbewerb ist ebenfalls ein effektiver Weg, um auf dich aufmerksam zu machen. Der erste Preis kann z.B. ein Account für dein Angebot sein. Du kannst ein Bild deines Unternehmens oder Angebots auf Facebook präsentieren und deine Community dazu auffordern, es zu liken oder zu teilen, um an dem Gewinnspiel teilzunehmen. Auf Instagram können Nutzer:innen bestimmte Inhalte unter spezifischen Hashtags posten, um dem Wettbewerb beizutreten. Wichtig dabei: Die Abwicklung muss natürlich immer die jeweiligen Auflagen und Datenschutzrichtlinien berücksichtigen.  

Blogger:innen und Influencer:innen  

Kooperationen mit anderen Blogs oder Influencer:innen erhöhen deine Reichweite. Du kannst diese Personen sponsern, ihnen ein Produkt-Sample zur Verfügung stellen, ihnen im Zuge eines Takeovers deinen Social-Media-Account für einen bestimmten Zeitraum überlassen oder sie können deine Marke dauerhaft repräsentieren.  

Growth Hacking Beispiele 

Prominente Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen haben bereits erfolgreiche Growth-Hacking-Strategien angewandt:  

  • Dropbox stellte Nutzer:innen mehr Speicherplatz zur Verfügung, wenn sie ihren Account mit Twitter oder Facebook verknüpften und Informationen über das Unternehmen teilten.  
  • AirBnB fand heraus, dass viele Menschen auch auf Craigslist nach alternativen Unterkünften suchen. Durch Veröffentlichung von Angeboten auch auf dieser Plattform erhielt das Unternehmen Zugang zu einem noch größeren Markt.  
  • Slack stellt Kund:innen eine Freemium-Version zur Verfügung, mit der sich die unternehmensinterne Kommunikation verbessern lässt und sorgt hiermit für eine effektive Mundpropaganda.  

Fazit 

Beim Growth Hacking handelt es sich weniger um eine konkrete Strategie als um ein loses Unternehmenskonzept, das schnelles Wachstum verspricht. Es erfordert neben viel Kreativität auch Mut zum Scheitern und zu einer hohen Fehlerquote. Diese Art von Experimentierfreude übt einen besonderen Reiz auf Start-ups aus. Alteingesessene Unternehmen können von der Methode aber ebenfalls profitieren, wenn sie nicht vor schnellen Entscheidungen zurückschrecken.    

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