Events in Zeiten von Corona

Die globale Gesundheitskrise bringt erhebliche Einschränkungen für persönliche Interaktion mit sich, von denen wir alle im privaten und beruflichen Alltag betroffen sind. Events, wie wir sie kennen, sind derzeit nicht möglich, Jahresplanungen werden hinfällig und langfristig geplante Veranstaltungen müssen verschoben oder (worst case) storniert werden. Dieser Herausforderung muss sich auch ProSiebenSat.1 stellen: das Veranstaltungsprogramm muss an die aktuellen Regularien angepasst und Formate entwickelt werden, die es trotzdem ermöglichen, die Zielgruppe zu erreichen. Franziska Böhm, Leiterin Event Management, gibt einen Überblick und einen Ausblick, was die Zukunft für Event-Profis bereithält.

Virtuelle Eventformate

Ein logischer erster Schritt ist zu prüfen, ob man das Veranstaltungsdatum halten und das Event online umsetzen kann. Veranstaltungen, bei denen die Vermittlung von Informationen im Vordergrund steht – wie zum Beispiel Pressekonferenzen, Town Hall Meetings etc. – können effizient online durchgeführt werden und bieten dem Publikum trotzdem die Möglichkeit, sich mit Q&As zu beteiligen. Wichtig ist aber, dass man niemals versuchen sollte, eine Offline-Veranstaltung 1:1 in das Online-Format zu übertragen. Bei Online-Events sollte noch mehr darauf geachtet werden, dass die Sessions kurz und prägnant gehalten werden.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Online-Format ist unser erster virtueller ProSiebenSat.1 Pitchday. Bei der Veranstaltung am 22. und 23. April lud ProSiebenSat.1 Produktionsfirmen zu virtuellen Pitches ein, um spannende Ideen für neue TV-Formate zu finden. Wolfgang Link, Vorstand Entertainment bei ProSiebenSat.1, startete die Veranstaltung, indem er die 260 Teilnehmer über Microsoft Teams live begrüßte und ihnen eine Einführung in den Ablauf gab. In 20-minütigen Sessions stellten die Produzenten den Markenchefs und Senderverantwortlichen daraufhin über Teams ihre Ideen vor. Zudem hatten weitere 100 Unternehmen die Möglichkeit, ihre Konzepte per E-Mail einzureichen. Die Jury war in den ProSiebenSat.1-Büros vor Ort und hörte sich die Pitches gemeinsam online an, saß dabei aber in getrennten Räumen unter strengen Hygienemaßnahmen. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und für mehr als zehn Pitchformate wurden sofort Entwicklungsaufträge erteilt.

Die Screenforce Days, normalerweise eine zweitägige Veranstaltung in Köln sowie zwei eintägige Events in Wien und Zürich, sind die größte deutsche Branchenveranstaltung für TV und Bewegtbild. Mit SCREENFORCE WHAT’S ON wurde dieses Event nun in ein digitales Gesprächsformat umgewandelt, bei dem Experten über neueste Erkenntnisse aus Werbung, TV, Bewegtbild und Werbewirkung sprechen.

Bei manchen Veranstaltungsformaten dient die Covid-19-Krise auch als Beschleuniger von Entscheidungen: seit Jahren haben wir das Thema Online-Hauptversammlung diskutiert. Getrieben durch die derzeit herrschenden Regularien hat der Gesetzgeber sehr rasch entschieden, dass die jährlich verpflichtenden Aktionärstreffen in diesem Jahr virtuell stattfinden und eine Präsenzveranstaltung vollständig ersetzen können.

Online ist nicht immer die Antwort

Es wäre aber ein Fehler zu glauben, dass sich alle Veranstaltungsarten nun online durchführen lassen. Seit zwei Monaten leben die Menschen mit den Social-Distancing-Maßnahmen: Sie gehen weniger nach draußen und arbeiten den ganzen Tag vor einem Bildschirm mit wenig Kontakt zu Menschen. Viele von uns verspüren zunehmend „remote fatigue“.

Veranstaltungsformate mit Entertainment- und Networking-Charakter lassen sich nicht so einfach auf die Online-Welt übertragen, wie beispielsweise das Top100-Event von ProSiebenSat.1 in Hamburg: Zu diesem Event werden jedes Jahr Pressevertreter, Gesichter der Sender, Kunden und Geschäftspartner eingeladen – der persönliche Austausch und ein „Dankeschön“ an wichtige Partner stehen hier im Vordergrund. Natürlich kann diese Veranstaltung nicht in der gewohnten Weise stattfinden und eine virtuelle Variante könnte das Event nicht im gleichen Maße abbilden. Daher fiel die Entscheidung, die Veranstaltung in diesem Jahr abzusagen.  

Ein neues innovatives „Produkt“ eignet sich dafür, ein spezifisches Publikum anzusprechen. Letztes Jahr lud die SevenOne AdFactory Fans zum Live-Event „#GNTM Experience“ und damit in die bunte Welt von Germany’s Next Topmodel ein, um gemeinsam GNTM-Trendthemen wie Beauty, Mode und Food zu erleben. In diesem Jahr hat ProSiebenSat.1 zu einem neuen virtuellen Erlebnis eingeladen: der „Virtual GNTMX“. Mit Hilfe von Augmented Reality konnten sich die Fans im Rahmen der #poseathome-Challenge mit ihren Lieblingskandidatinnen fotografieren lassen und die Chance auf ein virtuelles persönliches „Meet and Greet“ mit den Top Ten der Finalistinnen gewinnen. Mit „Virtual GNTMX“ bot die SevenOne AdFactory den Fans etwas völlig Neues und Einzigartiges.

Die Organisatoren des Seat-Sat.1 Autokinos haben ein völlig neues Veranstaltungsformat entwickelt: ein Live-Konzert mit Tim Bendzko, das die Fans bequem in ihren Autos im Autokino Düsseldorf mitverfolgen konnten. Damit hielten die Veranstalter (SevenOne AdFactory, Starwatch Entertainment, Sat.1 und Seat) die Spannung einer Live-Veranstaltung aufrecht, während die Autos gleichzeitig einen sicheren Schutz vor Infektionen boten. 

Wer seine Veranstaltung nicht verschieben möchte und wem es die gesetzlichen Bestimmungen erlaubten, der kann dem Beispiel der diesjährigen DMEXCO folgen. Während andere Konferenzen wie die NOAH und der Digital Lifestyle Day (DLD) ihr Angebot online umsetzen, nutzt die DMEXCO (die im vergangenen Jahr über 40.000 Besucher anzog) die jüngste Landesregelung aus Nordrhein-Westfalen, wonach Messen und Kongresse unter bestimmten Bedingungen ab dem 30. Mai 2020 wieder stattfinden können. Auf der Website heißt es, dass zu den Maßnahmen „angemessene Hygienestandards, sicherer Abstand der Akteure … ebenso wie konsequente Vorgaben für die Prozesse an den Eingängen, in den Hallen und auf den Ständen“gehören werden.

Wird die Veranstaltungswelt nach dem Ende der Krise wieder zur Normalität zurückkehren?

Niemand glaubt, dass Offline-Events jemals aussterben werden: Der persönliche Austausch, das Netzwerken und die gemeinsamen Erfahrungen können Online-Events nicht ersetzen. Es ist aber auch unwahrscheinlich, dass die Veranstaltungswelt wieder zu dem Zustand zurückkehren wird, der in der „Zeit davor“ herrschte. Die Corona-Krise hat einen Trend dramatisch beschleunigt, der durch die zunehmende Konzentration auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung bereits begonnen hatte. Durch sie hat die Branche in kürzester Zeit erfahren, was online funktioniert und was nicht. Deshalb erwarten uns in Zukunft sowohl Online-, als auch Offline-Events sowie hybride Varianten – und hoffentlich, angesichts dessen, was wir während dieser Krise gelernt haben, eine ganze Reihe aufregender neuer Formate.

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Franziska Böhm leitet seit September 2018 das Event Management der ProSiebenSat.1 Media SE. Zuvor war sie in diversen Funktionen bei Starwatch Entertainment und Red Seven Entertainment tätig. Franziska Böhm ist seit 2006 im Unternehmen und hat an den Universitäten Augsburg und München Betriebswirtschaftslehre studiert.

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