von
Milan Vukelić
Marketing
2021-08-12

Die Nutzer im Fokus: Trends im UI/UX-Design

Die Nutzer im Fokus: Trends im UI/UX-Design

Marketing verlagert sich zunehmend weg vom Produkt hin zum Nutzererlebnis. Das spiegelt sich auch in der aktuellen Gestaltung von Apps und Websites wider. Wir sprachen mit Milan Vukelić über die neuesten Entwicklungen im UX/UI-Design. Milan hat für Marken wie Mini, Bayer, Alphabet und Nivea gearbeitet und internationalen Studenten bei Ironhack Berlin beigebracht, worauf es bei nutzerzentriertem Design ankommt. Er ist Mitbegründer von muse case labs, die Designer und Webentwickler zusammenbringen, um digitale Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Milan, was und wen braucht es, um ein gutes digitales Produkt zu entwerfen?

Natürlich User Experience Designer, die die Benutzerinteraktion entwerfen, und User Interface Designer, die die Interaktion visuell umsetzen – oft ist es dieselbe Person. Und ein guter Arbeitsablauf zwischen Designer:innen und Webentwickler:innen ist ebenfalls notwendig.  

Was für UX immens wichtig ist, ist die Nutzerforschung. Es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, wie wichtig eine gute Benutzererfahrung für den Return of Investment ist. McKinsey hat festgestellt, dass die erfolgreichsten Unternehmen diejenigen sind, die das Nutzererlebnis in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten stellen – das Schlagwort lautet hier "from product to experience". Sie nannten es "building a design-driven culture". Design ist hier natürlich nicht im Sinne von Farben oder Schriften gemeint, sondern als konsequente Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden und der Gestaltung des Nutzererlebnisses auf der Basis empirischer Erkenntnisse.

Lässt sich das an Trends im UX/UI-Design ablesen?

Ja, absolut. Es manifestiert sich in Tools zum Testen von Websites wie Maze oder Hotjar, die auf den wachsenden Bedarf an Nutzertests und Daten reagieren. Das Testen vor der Implementierung mit Maze oder das Verfolgen von Live-Websites mit Hotjar liefert sehr praktische Einblicke in das Verhalten Ihrer Nutzer.  

Auch die zunehmende Verbreitung von Progressive Web Apps (PWAs) hat damit zu tun.

Sie sind einer der wichtigsten technologischen Trends im UX-Design. PWAs sind so konzipiert, dass sie mobilen Nutzern das gleiche Erlebnis bieten, als würden sie native Apps verwenden, sind aber wesentlich günstiger und schneller zu entwickeln.  

User Interface BMW.com
Quelle: BMW.com

Gibt es weitere Entwicklungen, die die Nutzerzentrierung widerspiegeln?

Ja, auf jeden Fall. Zum Beispiel wird dem Onboarding von Nutzer:innen immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Onboarding ist sehr wichtig für User, wenn sie zum ersten Mal mit einem neuen System wie einer App interagieren, sich registrieren, Präferenzen und Ziele festlegen. In der Regel handelt es sich dabei um eine präzise Schritt-für-Schritt-Anleitung, die beim Start einer neuen Anwendung erscheint, einer Website, einer App oder nach einem Update des Rechners oder des Handys.

Die Nachrichten-App Flipboard zum Beispiel fragt nach den Hauptinteressengebieten, noch bevor die User:innen sich vollständig registriert haben. Alles, was sie tun müssen, ist, die entsprechenden Keywords auszuwählen. So erhalten sie direkt nach der vollständigen Anmeldung ihre ersten personalisierten Nachrichten.  

Flipboard Keywords Profile
Quelle: Flipboard-App

Storytelling ist ein weiteres, immer wichtiger werdendes Mittel, um Nutzer:innen durch eine Website zu navigieren und sie daran zu binden. Die menschliche Kognition ist daran gewöhnt, Informationen in Form von Geschichten zu verarbeiten. Bei der Gestaltung von Kommunikation und Interaktion können wir uns dieses Verständnis zunutze machen, um unseren Nutzern zu helfen, sich reibungslos zurechtzufinden. Storytelling in digitalen Produkten bedeutet einfach, dass die gezeigten Informationen einer umfassenden und logischen Abfolge folgen, einleiten, kulminieren und enden.  

start.uxdesign.cc zum Beispiel führt die Leser:innen mit einem ausgewogenen Rhythmus durch die Website. Dabei wird darauf geachtet, eine logische Abfolge einzuhalten und die User nicht zu überfordern, sondern die Komplexität der Informationen schrittweise zu steigern.

Interactive Interface
Quelle: start.uxdesign.cc

So viel zum UX-Design. Was sind die Trends im UI-Design?

Natürlich gibt es immer wieder Moden im UI-Design. Aber die wahren Trendsetter sind Technologien, die neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten, die länger als nur eine Saison überdauern.  

Im Jahr 2020 wurden variable Schriftarten eingeführt. Damit eröffnen sich für UI-Designer völlig neue kreative Möglichkeiten. Früher brauchte man für "Light", "Regular", "Bold" usw. jeweils eine eigene Datei. Das machte Websites langsam. Variable Schriftarten benötigen nur noch eine Datei. Das bedeutet, dass Websites jetzt eine noch nie dagewesene Anzahl von Schriftarten integrieren können, ohne dass die Performance darunter leidet.

Interactive UI
Quelle: dillinger.tv/

Eine weitere Entwicklung im UI-Design sind 3D-Grafiken. Ein großer Schritt nach vorn war WebGL, eine JavaScript-Programmierschnittstelle. Sie wurde aus mehreren Gründen populär, u. a. weil 3D-Grafiken ohne Plug-ins dargestellt werden können. WebGL 2.0 hat die Möglichkeiten noch erweitert und die Entwicklung dreidimensionaler Grafiken vorangetrieben, mit denen man interagieren kann. Das führt zu neuen Möglichkeiten der digitalen Benutzererfahrung.

Discobrain
Quelle: blobmixer

Und im letzten Jahr kam Spline auf den Markt. Die Software erleichtert die Erstellung responsiver 3D-Objekte durch eine sehr einfache Benutzeroberfläche und ermöglicht, diese Objekte direkt in Webformaten zu formatieren. Der 3D-Trend wird sich also sicherlich noch weiter verstärken.

Und wer wird Design, ob UX oder UI, in Zukunft ausführen? Es wird viel über die Anwendung von Künstlicher Intelligenz gesprochen, auch im Design …

Die Technologie des Maschinellen Lernens befindet sich in der Phase der “Narrow AI", der schwachen KI,  was bedeutet, dass sie derzeit nur bei der Ausführung sehr spezifischer Aufgaben nützlich ist. Das heißt, dass KI-gesteuerte Produkte und Dienstleistungen die Fähigkeiten von Designern in besonderen Weise verstärken können, aber keine umfassenderen kreativen Prozesse ersetzen, die von Menschen ausgeführt werden. Bis Quantencomputer ein praktisches Werkzeug werden, sind Designer sicher.

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