von
Jonas Bailly
Market Insights
2020-10-12

Der Pfad der Mutigen

Der Pfad der Mutigen

Sie sind beide mutig, kreativ und agil. Warum also arbeiten Kreativagenturen und Start-ups nicht effektiver zusammen? Der neue Jung von Matt Start-up-Report 2020*, der auch Beiträge von SevenVentures enthält, untersucht, warum beide Seiten so ein kompliziertes Verhältnis zueinander haben und ruft dazu auf, endlich gemeinsame Sache zu machen.

Es herrscht ein tief verwurzelter kultureller Konflikt zwischen Kreativagenturen und Start-ups. Agenturen meiden die Zusammenarbeit, weil sie betreuungsintensiv und kaum kostendeckend ist. Start-ups empfinden die Kooperation als umständlich und zu teuer. Wenn das Problem zunächst auch nur finanzieller Art zu sein scheint, reichen seine Wurzeln doch tiefer.

Die Gründer-Kultur ist geprägt von der Notwendigkeit, schnell profitabel zu werden. Dies führt zu einem erkennbaren Muster im Marketing: Zunächst prägt die frühe Phase eine starke Leistungsorientierung, wobei die Unternehmen versuchen, schnell so viele Leads wie möglich zu generieren. Später, wenn die Effizienz des Performance-Marketings abnimmt, folgt unweigerlich eine Verlagerung zum Branding. Traditionelle Angebote von Kreativagenturen weichen hiervon ab und sind daher in der Regel nicht gefragt. Start-ups halten die Markenarbeit stattdessen klein und beauftragen Freelancer, Inhouse- oder Performance-Experten.

Zudem stellt der Report fest, dass Agenturen in den letzten zwei Jahrzehnten schlicht zu bequem geworden sind. Die Mehrheit der Agenturen bleibt auf starren Prozessen und Service-Paketen sitzen, wohl wissend, dass Start-ups gute Vorbilder und Kunden wären, doch zu behäbig, um sich selbst zu hinterfragen und wieder zu agilen, lernenden Organisationen zu werden. Seitdem haben sie sich immer weiter von den neuen Kulturchampions, den Start-ups, entfernt.

Hinzu kommt, dass Start-ups sich die großen Agenturen oft einfach nicht leisten können. Und die Agenturen selbst haben sich nur zögerlich mit neuen Vergütungsmodellen auseinandergesetzt. Equity-Deals sind in anderen Bereichen des Marketings immer häufiger anzutreffen: So bieten VCs große Medienhäuser wie SevenVentures, der Investment-Arm der ProSiebenSat.1 Group,beispielsweise Werbeplätzeim Austausch für Firmenanteile.

Wie kann man Veränderungen herbeiführen?



Sowohl Agenturen als auch Start-ups sollten sich anpassen können, um in Zukunft das Beste aus ihrer Zusammenarbeit zu machen.

Start-ups sollten nicht alles, was sie haben, auf Performance ausrichten. Wenn sie früher mehr Budget für die Marke aufwenden, wird es sich später auszahlen. Eine klare Markenvision verwandelt eine gute Geschichte in eine Großartige – und macht Start-ups attraktiver für neue Zielgruppen, Mitarbeiter und Investoren. VCs und Business Angels können helfen, um die Kluft zwischen der Welt der Start-ups und der Welt der Agenturen zu überbrücken.

Agenturen hingegen müssen mit ihren Angeboten und Vergütungsmodellen für Start-ups kreativer werden und den Markenwert klarer begründen. In einer Welt der reinen Performance-Budgets ist das Versprechen, durch eine starke Marke mehr Unabhängigkeit von Google und Facebook zu erlangen, Gold wert. Agenturen müssen ihre Komfortzone verlassen und in einen Dialog mit den Start-ups treten. Eine langfristige Zusammenarbeit ist für beide Seiten attraktiv und sinnstiftend – nur so lassen sich die Potenziale beider Welten realisieren.

* Hier geht es zum JvM Start-up-Report 2020

* Woran es zwischen Agenturen und Startups hakt, W&V

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