von
Max Gerke
Market Insights
2021-01-29

Das Plastik-Problem: Wie Start-ups unseren Planeten sauberer machen

Das Plastik-Problem: Wie Start-ups unseren Planeten sauberer machen

Dass die Menschheit zu viel Plastik produziert, ist schon lange bekannt. Die Verbraucher werden sich nun jedoch immer mehr der schädlichen Auswirkungen von Plastik bewusst und entscheiden sich daher zunehmend für nachhaltige Produkte. Darin haben deutsche Start-ups eine Chance für Innovationen erkannt und für die Haushaltsreinigung eine neue Generation von Reiniger-Tabs entwickelt.

Das Problem mit dem Kunststoff

Quelle: Pixabay

Die Plastikproduktion ist in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen, von weltweit 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf 322 Millionen Tonnen im Jahr 2015. Die Plastic Oceans Foundation schätzt, dass ca. 50 Prozent davon für Einwegplastik verwendet wird. Allein in Deutschland werden jede Stunde 1,9 Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht. Das sind 16,6 Milliarden Plastikflaschen pro Jahr.


Das Problem dabei ist folgendes: Einwegflaschen lassen sich nur schwer verantwortungsvoll entsorgen – viele landen letztlich in unseren Meeren und Ozeanen. Die meisten Einweg-Plastikflaschen werden entweder verbrannt oder landen auf der Mülldeponie. Dabei werden Kunststoffe, die wir sortieren, tatsächlich nur selten recycelt – die Bundesregierung schätzt, dass die Quote des recycelten Plastiks bei 39 Prozent liegt. Wenn man die nicht verwertbaren Verbundmaterialien und Exporte herausrechnet, werden laut Aussage der Grünen sogar nur 17 Prozent erreicht. Der Grund hierfür: Der Prozess ist nach wie vor zu teuer, zu kompliziert und das daraus resultierende Produkt von zu geringer Qualität. Auch Mehrwegflaschen sind nicht so umweltfreundlich, wie es scheint: Diese müssen über weite Strecken vom Abfüllort zum Verkaufsort transportiert werden. Wenn sie wieder aufbereitet werden sollen, müssen sie zurück zum Abfüllort transportiert werden, was letztlich zu hohen Kohlenstoffemissionen führt.


Die Reinigungsmittel-Industrie spielt ebenfalls eine große Rolle bei dem Problem. Allein in Deutschland werden jedes Jahr ca. 800 Millionen Plastikflaschen für Reinigungsmittel/Handseife verbraucht (von insgesamt 16,6 Milliarden Plastikflaschen). Würden diese durch nachhaltige Lösungen ersetzt, könnten 5 Prozent des gesamten Verbrauchs an Plastikflaschen in Deutschland eingespart werden.

Was die Verbraucher sagen

Quelle: The Daily Telegraph

Das Plastikproblem ist nicht an der Öffentlichkeit vorbei gegangen.


In den letzten Jahren haben Dokumentarfilme wie David Attenboroughs Blue Planet und die von Umweltaktivisten wie Greta Thunberg geschaffene Aufmerksamkeit das Thema direkt auf die Tagesordnung gesetzt. Plötzlich wird vielen Menschen klar, dass es im Alltag keinen großen Aufwand bedeutet, weniger Plastik zu verwenden – dies aber einen großen Einfluss auf die Umwelt haben kann.


In einer Umfrage aus dem Jahr 2019 gaben rund 91 Prozent der deutschen Verbraucher an, dass sie gerne weniger Produkte in Plastikverpackungen sehen würden. Die Verbraucher sind inzwischen auch bereit, für nachhaltige Alternativen einen höheren Preis zu zahlen. Laut dem KPMG Consumer Barometer Report vom Januar 2020 gaben 69 Prozent der Befragten an, dass sie bereit wären, mehr für nachhaltige FMCG*-Produkte zu bezahlen.


Ein Grund hierfür ist neben der Sorge um die Umwelt häufig auch einfach Bequemlichkeit bei der Entsorgung. Markus Winkler, Geschäftsführer des Unternehmens für nachhaltige Reinigungstabs Biobaula, ist der Meinung, dass „die Verbraucher nicht nur im Urlaub mehr Plastikmüll an den Stränden bemerken, sondern ebenso die Ansammlung von Einweg-Plastikflaschen in ihren eigenen Wohnungen. Daher sind sie zunehmend auf der Suche nach Produkten, die dieses Problem für sie lösen."


Wie deutsche Start-ups die neue Nachfrage bedienen

Quelle: watson.de

All diese Faktoren – ein größeres öffentliches Bewusstsein für die Plastik-Problematik, eine erhöhte Verbrauchernachfrage und die Bereitschaft, für nachhaltige Alternativen mehr Geld zu zahlen – treiben die Innovationen im Start-up-Sektor voran.


Deutsche Start-ups wie Klaeny, Everdrop und Biobaula verfolgen mit ihren neuen Entwicklungen dabei eine Vision: dass Haushalte ihre Reinigungsmittelflaschen immer wieder verwenden können. Dafür haben sie konzentrierte Reinigungstabs entwickelt, die der Kunde zu Hause in einer wiederverwendbaren Glasflasche mit Wasser mischen kann. Diese Tabs eignen sich nicht nur für Allzweckreiniger, sondern auch für Glasreiniger, Küchenreiniger und Geschirrspülmittel. Dadurch braucht der Kunde nicht jedes Mal eine neue Einweg-Plastikflasche, wenn er ein Reinigungsprodukt kauft – und darüber hinaus bedeutet die kleinere Größe der Tabs und das Fehlen von Plastikflaschen ebenfalls weniger Kohlenstoffemissionen. Zusätzlich bestehen die Tabs aus rein natürlichen Inhaltsstoffen und bieten den Vorteil, dass sie vollständig biologisch abbaubar sind.


Mit der wachsenden Kundennachfrage steigt auch das Interesse von Risikokapitalgebern an der Finanzierung solcher nachhaltigen Ansätze. Im März 2020 gab Klaeny den erfolgreichen Abschluss einer Investitionsrunde im mittleren sechsstelligen Bereich bekannt. Auch die Everdrop-Gründer sammelten in ihrer Seed-Finanzierung zunächst einen sechsstelligen Betrag ein und gaben dann im September 2020 ein Millionen-Investment von HV Capital bekannt. 2018 verkaufte Biobaula sein erstes Produkt, mittlerweile werden die Tabs in 6.000 Geschäften in Deutschland geführt und in 10 Ländern verkauft. Auch an den großen Unternehmen ist diese Entwicklung nicht spurlos vorbeigegangen: Marktführer Henkel hat unter der neuen Marke „Love Nature” Nachfüllstationen in Drogeriemärkten eingeführt, an denen Kunden ihre Flaschen mit Waschmitteln nachfüllen können. Auch LIDL hat eine eigene Marke für Tabs eingeführt.


Aber klar ist: Reiniger-Tabs, denen zu Hause Wasser hinzugefügt wird, sind kein komplett neues Konzept (man denke nur etwa an Kaffee, Tee oder Seife). Tatsächlich kam die erste Variante dieser Tabs bereits in den 1980er-Jahren auf den Markt. Damals ernteten sie mehr Spott als Interesse. Jetzt ist jedoch die richtige Zeit für diesen Ansatz gekommen. Die Verbraucher suchen nach neuen, innovativen Lösungen für das Plastik-Problem und sind auch bereit, dafür zu zahlen. Wir sind wirklich begeistert von dieser Entwicklung und erwarten in naher Zukunft weitere disruptive Lösungen in diesem Markt.


*FMCG - Fast Moving Consumer Goods

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