von
Dr. Fabian Heuschele
Market Insights
2020-06-25

Accelerator: Wachstumsförderung für Start-ups

Accelerator: Wachstumsförderung für Start-ups

Das Capital Magazin hat den ProSiebenSat.1 Accelerator zum dritten Mal in Folge beim Digital Lab Award 2020 in der Kategorie „Kerngeschäftsferne Innovation" mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Dr. Fabian Heuschele, Vice President ProSiebenSat.1 Accelerator, erklärt das erfolgreiche Geschäftsmodell und was es braucht, um spannende, junge Start-ups an die Spitze zu bringen.

Herzlich willkommen Fabian. Bitte erzähl uns ein wenig über den ProSiebenSat.1 Accelerator und wie Ihr Start-ups unterstützt.

Der ProSiebenSat.1 Accelerator ist die frühphasige Investment-Unit von ProSiebenSat.1. Wir unterstützen Start-ups mit Media (je nach Phase des Start-ups 1,5 Mio. Euro oder 2,5 Mio. Euro Bruttomediavolumen) und bieten ihnen Zugang zum ProSiebenSat.1-Netzwerk, Mentoring (insbesondere bei unserer halbjährlichen Bootcamp-Woche in Berlin) und Büroräume in Berlin. Das Werbebudget wird in Form eines Wandeldarlehens angeboten – ein ideales Konstrukt für Start-ups in der Frühphase: Sie können von Anfang an Werbung einsetzen und zunächst ihren Umsatz und ihren Wert steigern, ehe der Accelerator nach der Ausstrahlung seine Forderung in Eigenkapital umwandelt. So profitieren die Unternehmen bereits in einem frühen Stadium von den Vorteilen unserer Reichweite und das zu einem sehr fairen Preis.

In welche Art von Start-ups investiert Ihr und welche Bedingungen müssen Start-ups erfüllen, um einen Deal mit dem ProSiebenSat.1 Accelerator abzuschließen?

Wir investieren in B2C-Start-ups, die ein Produkt oder Service für den Massenmarkt anbieten, wir arbeiten hier branchenunabhängig. Unser derzeitiges Portfolio von etwa 20 Start-ups ist breit aufgestellt, von Fintech über Food bis hin zu Beauty und E-Commerce. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Trend-Bereichen und investieren in eigenständige und bereits gut aufgestellte Unternehmen, da wir nicht zu sehr auf der operativen Seite intervenieren wollen. Kurz gesagt: Wir suchen Start-ups mit einem Spitzenteam, mit einer klaren USP, welches das Potenzial hat und vom Stadium des Unternehmens bereit ist, unsere Medien und Werbemittel gewinnbringend einzusetzen. Unser Hauptziel ist es, neue Media-Partnerschaften aufzubauen, die dann in der Folge über SevenVentures oder sogar über die Nucom-Gruppe weiter ausgebaut und intensiviert werden können. Aber natürlich freuen wir uns auch von erfolgreichen Exits zu profitieren.

Was unterscheidet den ProSiebenSat.1 Accelerator Deiner Meinung nach von anderen Corporate VCs?

Wir sind kein klassischer Corporate VC. Andere Corporate VCs neigen dazu, nur in bestimmte Branchen zu investieren und Finanzierungen statt Mediaunterstützung bereitzustellen, um ihre Investments zu fördern. Wir verfolgen einen ganz anderen Ansatz und bieten mit unserem Media-Investment-Modell ein einzigartiges Produkt an. Über das Netzwerk der ProSiebenSat.1-Gruppe können wir unseren Portfoliounternehmen zudem einen enormen Mehrwert bieten, z.B. in Form von 360-Grad-Marketingkampagnen. Wir sind schnell, agil und bieten ein sehr cleveres Produkt über ein bewährtes Investment-Konstrukt.

Was waren Eure erfolgreichsten Deals und was ist das Erfolgsrezept?

Ein Beispiel für einen erfolgreichen Exit war Asana Rebel. Als wir anfingen mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten, verkauften sie Yogamatten online. Unsere Investition half ihnen dabei, sich zu einer der erfolgreichsten Yoga-Apps der Welt zu entwickeln. Ein erfolgreicher Case aus unserem aktuellen Portfolio ist die vegane Lebensmittelmarke Veganz, ein bereits etabliertes Food-Start-up. Das Unternehmen wird von einem sehr erfahrenen Gründer geleitet, der genau zum richtigen Zeitpunkt zu uns kam. Mit unserem Media-Deal hat Veganz erfolgreich Einzelhändler mit dem Ziel angesprochen, ihr Produkt in deren Märkte aufzunehmen. Neue Handelspartner und unsere Medienkampagne steigerten den Absatz und stärkten die Marke. Mit unserer Media-Power und Unterstützung machten sie einen weiteren großen Schritt auf ihrem Weg, die führende vegane Lebensmittelmarke in Deutschland zu werden.

Instahelp, eine Online-Plattform für psychische Beratung und Betreuung, stellt ebenfalls ein Start-up aus einem sehr interessanten Wachstumsbereich dar, an den wir fest glauben – E-Health. Mit ihrem Konzept, Kunden einen schnellen und einfachen Online-Zugriff zu Psychologen zu ermöglichen, strebt Instahelp die Eroberung des deutschen Marktes an. Unsere Media-Kampagne läuft aktuell und dieses Unternehmen wird gestärkt aus der Krise hervorgehen, da es die Prioritäten des Verbrauchers repräsentiert – digital, nachhaltig und bewusst.

Investitionen sind unser Hauptgeschäft, aber seit etwas mehr als einem Jahr arbeiten wir auch an vielversprechenden Inkubationen. Ein Beispiel dafür ist die Kreation einer Lebensmittelmarke zusammen mit Jochen Schweizer. Nachdem Jochen Schweizer mit der Idee auf uns zukam, haben wir mit EDEKA als Einzelhandelspartner und dem P7S1 Accelerator als Media-Partner eine starke Partnerschaft etabliert. Es ist ein smartes Konzept, da es starke Akteure mit einem klaren USP in einer synergetischen Partnerschaft zusammenbringt.

Wie hat sich die Corona-Krise auf den Accelerator ausgewirkt? Habt Ihr weiter investiert?

Wir haben auch während der Krise weiter investiert und vor kurzem zwei neue Deals unterzeichnet. Wir waren und sind, speziell zur jetzigen Zeit, auf der Suche nach Unternehmen, die gestärkt aus der Krise hervorgehen werden. Dennoch wurden natürlich auch Gespräche mit potenziellen Start-ups verschoben, da sie sich auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren und eine Strategie entwickeln mussten, um diese unsichere Zeit bestmöglich zu überstehen. Auch einige unserer Portfoliounternehmen haben unter der Krise gelitten – hier war es unsere Aufgabe, sie bestmöglich zu betreuen und mit unserem Netzwerk zu unterstützen, insbesondere bei kurzfristigen Finanzierungsrunden.

Welche Art von Start-ups werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen und warum?

Natürlich gibt es in jeder Krise auch Gewinner. Es wird somit auch Start-ups geben, die erfolgreicher als andere aus der Corona-Krise hervorgehen werden. Ich denke, dass dies bei modernen Food-Marken der Fall sein wird – aber auch digitale Abonnement- und Lieferdienste werden von der gegenwärtigen Situation profitieren und eine starke Kundenbasis aufbauen, weil ihre Produkte aufgrund der Corona-Krise eine höhere Nachfrage erfahren. Auch ein Teil der Fintech-Unternehmen, insbesondere Investment- und Handelsplattformen, werden sich gut entwickeln. Luxusartikel im Bereich Mode und Kosmetik, Reisen und alles rund um physische Veranstaltungen haben dagegen derzeit stark zu kämpfen. Davon abgesehen aber glaube ich persönlich, dass jedes Unternehmen die Krise nutzen kann, um sein Geschäftsmodell und sein Produkt zu überdenken und weiterzuentwickeln – und vielleicht kann Corona sogar einen positiven Einfluss auf Unternehmen haben, die hart getroffen wurden.

Was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Natürlich sind wir immer bestrebt, unser Portfolio an früh- und späterphasigen Investements weiterzuentwickeln. Wir bieten bereits 360-Grad-Services an, arbeiten aber konstant daran, unser Angebot ständig zu verbessern, um auch zukünftig ein Spitzenprodukt anbieten zu können. Darüber hinaus wollen wir die Anzahl unserer Nachfolgeinvestments erhöhen, um unsere Beziehungen mit sehr erfolgreichen Partnern zu stärken. Schließlich wollen wir auch das Thema Inkubationen weiterentwickeln und weitere Synergien mit unserem starken Netzwerk an internen Partnern schaffen.

Wie wird Corporate Venture Capital in Zukunft aussehen?

Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren einen Höhepunkt erlebt, bei dem viele Unternehmen experimentieren konnten. Viele Corporate VCs haben dabei die Erfahrung gemacht, dass es nicht einfach ist, mit ihren Investments erfolgreich zu sein. Sie haben gelernt, dass sie eine klare Investitionsstrategie, Synergien mit und die Unterstützung von ihren Muttergesellschaften, Agilität, Geduld und das Engagement des Managements brauchen, um erfolgreich zu sein. Corporate VCs, bei denen all diese Faktoren zusammenkommen, werden eine vielversprechende Zukunft haben. Die Corona-Krise wird sich dennoch auf die Branche auswirken und die großen CVCs werden bei ihren Investitionen selektiver vorgehen, da sie mehr Geld für das operative Geschäft aufwenden müssen. Davon abgesehen gibt es immer noch beträchtliche Möglichkeiten und die Branche sollte sich in den kommenden Jahren erholen.

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